FANDOM


Das Karmeliterkloster in Frankfurt am Main ist Sitz des Instituts für Stadtgeschichte und des Archäologischen Museums. Von 1246 bis 1803 war es ein Kloster des Karmeliter|Karmeliterordens.

GeschichteBearbeiten

1246 gründeten Karmeliter aus Köln eine Niederlassungen in Frankfurt. Das Kloster zog rasch Stiftungen Frankfurter Patrizier an sich, die sich in fünf sogenannten Bruderschaften zusammenschlossen. Mit ihrer Hilfe konnte die Klosterkirche Maria (Bibel)|St. Maria gebaut werden. Das Kloster war einer der größten Baukomplexe in der Frankfurter Frankfurt-Altstadt|Altstadt. Bis 1270 entstand zunächst das Langhaus, das bis 1290 durch einen Chor (Architektur)|Chor erweitert wurde. Ab 1300 entstand das Querhaus.

Ab 1424 wurde die Kirche im Spätgotik|spätgotischen Stil (Architektur)|Stil ausgebaut, vermutlich unter Leitung von Madern Gerthener. Um 1494 entstand südlich des Chores die Heilige Anna|Annenkapelle.

1460 bis 1520 wurden die Räumlichkeiten des Klosters nördlich der Kirche erneuert: Dormitorium, Kapitelsaal und Refektorium. Im Refektorium und im Kreuzgang erschuf Jerg Ratgeb|Jörg Ratgeb von 1513 bis 1519 das größte Fresko nördlich der Alpen. Das Kloster erlebte damals seine Blütezeit, u.a. durch die Stiftungen von Claus Stalburg dem Reichen. Er wurde 1524 in der Kirche beigesetzt.

Nach der Reformation blieb das Kloster eine katholische Enklave in der lutherisch gewordenen Stadt und verlor rasch an Bedeutung. 1803 wurde es Säkularisation|säkularisiert. Seine umfangreichen Besitztümer fielen an die Stadt, als Ersatz für die an Herzogtum Nassau|Nassau-Usingen verlorenen Rechte an den Dörfern Sulzbach (Taunus)|Sulzbach und Bad Soden am Taunus|Soden.

Im 19. Jahrhundert diente die aufgelassene Kirche zunächst als Warenlager. Von 1866 bis 1877 (Bau der Gutleutkaserne) war das Kloster eine Kaserne des Infanterieregiments Nr. 81, der damaligen Frankfurter Garnison.

Im 20. Jahrhundert wurde es als Bühnenhaus der Städtischen Bühnen genutzt. Im März 1944 wurden die Anlagen des Klosters durch Bombenkrieg|Bombenangriffe weitgehend zerstört. Der Nordtrakt mit dem Kreuzgang wurde 1955 bis 1957 wiederhergestellt. 1959 wurde das Karmeliterkloster Sitz des Stadtarchivs (heute Institut für Stadtgeschichte).

Die Ruine der Kirche wurde nach dem Zweiter Weltkrieg|Krieg zunächst nur mit einem Notdach gesichert. Erst in den 1980er Jahren wurde sie in vereinfachter Form (ohne das gotische Kreuzgewölbe|Kreuzrippengewölbe) wiederaufgebaut. 1995 wurde ein Dachreiter mit vier kleinen Glocken aufgesetzt. Damit war auch das 1954 konzipierte Frankfurter Stadtgeläut vollendet.

Archäologisches MuseumBearbeiten

1984 bis 1988 schuf der Architekt Josef Paul Kleihues einen Neubau südlich der Klosterkirche. Der Neubau und die Klosterkirche beherbergen seitdem die Sammlungen des Museums für Vor- und Frühgeschichte (heute Archäologisches Museum). Das Museum entstand 1937, als die Archäologische Abteilung des Historisches Museum Frankfurt|Historischen Museums ausgegliedert wurde. Das Museum war zunächst in den Räumen des Deutschordenskirche (Frankfurt)|Deutschordenshauses, von 1953 bis 1988 im Holzhausenschlößchen untergebracht.

Das Archäologische Museum umfaßt heute Sammlungen zu folgenden Themen:

  • Im Querschiff der Karmeliterkirche werden vorgeschichtliche Funde aus Frankfurt und Umgebung präsentiert. Die Exponate umfassen den Zeitraum von der Altsteinzeit bis zur frühen Eisenzeit.
  • Der Neubau beherbert eine Ausstellung Vorderer Orient mit Perserreich|altiranischen Funden.
  • In der Antikensammlung (ebenfalls im Neubau) finden sich Kleinkunst und Gebrauchsgegenstände aus der klassischen Antike von der Mykene|mykenischen Zeit (14. bis 12. Jahrhundert v.Chr.) bis zur Frühzeit der Römisches Reich|römischen Republik (5. Jahrhundert v.Chr.).
  • Im Langhaus der Karmeliterkirche wird die römische Vorgeschichte Frankfurts, insbesondere die Römerstadt Frankfurt-Heddernheim|Nida dargestellt. Diese Epoche dauerte von 83 n.Chr. bis 260 n.Chr.
  • Das frühe Mittelalter bis zur Karolinger|Karolingerzeit ist Thema der Ausstellung in der Annenkapelle.

ArchitekturBearbeiten

Die Karmeliterkirche ist eine spätgotische Hallenkirche, deren letzte Bauabschnitte erst um 1500 ausgeführt wurden. Es ist damit einer der letzten Kirchenbauten in Frankfurt vor der Reformation, lediglich am Pfarrturm des Kaiserdom St. Bartholomäus|Doms wurde noch später gebaut. Bemerkenswert ist das Querhaus, von dem nur der südliche Arm ausgeführt werden konnte, da sich nördlich der Kirche der Kreuzgang befand.

Zu den bedeutenden Kunstwerken des Klosters gehören die Ratgeb-Fresken. Den Kreuzgang stattete er mit 40 Szenen der christlichen Heilsgeschichte aus – von der Schöpfung|Erschaffung der Welt über Geburt und Tod Jesus Christus|Jesu Christi bis zum Weltgericht am Ende der Zeit. Der Zyklus erstreckte sich über eine Länge von 150m auf 540m². Davon ist heute nur noch ein geringer Teil erhalten.

Nach dem Kreuzgang malte Ratgeb auch das Refektorium aus. Auf einer Fläche von 114m² stellte er die Geschichte des Karmeliterordens dar.

Ein bedeutendes Kunstwerk der Karmeliterkirche war der Annenaltar. Er wurde Ende des 15. Jahrhunderts durch einen unbekannten Niederlande|niederländischen Künstler im Auftrag der Annenbruderschaft gemalt. Das Retabel|Altarbild befindet sich heute im Historisches Museum Frankfurt|Historischen Museum.

GlockenBearbeiten

Anstelle der im zweiten Weltkrieg verloren gegangenen Glocke|Glocken erhielt die ehemalige Karmeliterklosterkirche erst 1995 ein neues Geläut aus vier Glocken. Da sie in einem kleinen Turmaufsatz untergebracht sind, sind sie die kleinsten und bilden mit ihrer dreigestrichenen Tonlage die hellsten Stimmen im Stadtgeläute. Sie wurden von der Gießerei Rincker in Sinn (Hessen) | Sinn gegossen und haben diese Inschriften:

  • Karmeliterglocke c''', 53 kg, Ø 42,5 cm</br>
Karmeliterglocke heiße ich. Karl Andrassy gab mich. Rincker in Sinn goß mich 1995
  • Weißfrauenglocke d''', 42 kg, Ø 38,8 cm</br>
O maria magdalena dulcis dei philomela MCCCLXXIX</br>[ O Maria Magdalena, süße Nachtigall Gottes 1479 ]</br>
1479 Martin Moller goß mich. 1875 verbrannte ich. 1995 Walter Pinger gab mich neu.
  • Heiliggeistglocke f''', 26 kg, Ø 32,8 cm</br>
Veni sancte spiritus reple tuorum corda fidelium 1723 1972 1995</br>
[ Komm Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen]
  • Gemperlin e''', 20 kg, Ø 29,9 cm</br>
Gemperlin nominata sum eque sororibus una. Quae paschales cantant voce quaterna. Urbi cives largi dono nosque dederunt. 1954 Frankfurter Großes Stadtgeläute. 1995</br>
[ Gemperlin bin ich genannt und bin eine der Schwestern, die das Osterlob vierstimmig singen. Der Stadt schenkten uns freigebige Bürger. ]

Die Glocken der Karmeliterkirche wiegen zusammen 141 kg und sind mit ihrem Vierklang auf das Frankfurter Stadtgeläut|Frankfurter Stadtgeläute abgestimmt. Wegen ihrer sehr hellen Stimmlage sind sie allerdings nicht sehr weit zu hören.</br>Da die Stadt mit der Finanzierung Probleme hatte – es ging gerade einmal um einen fünfstelligen Betrag – wurden zwei Glocken von einzelnen Bürgern, die anderen im Zuge einer allgemeinen Spendenaktion gestiftet.

ErwähnenswertesBearbeiten

Im Keller des Karmeliterklosters spielt seit 1959 das von Rudolf Rolfs gegründete Kabarett Die Schmiere – Das schlechteste Theater der Welt. Der Künstlerkeller ist ein bekannter Treffpunkt von Frankfurter Künstlern und Theaterbesuchern.

Bei der Säkularisation kam die Stadt Frankfurt auch in den Besitz der Weinberge des Klosters in Hochheim am Main. Daraus entstand das Weingut der Stadt Frankfurt am Main, mit 25ha Rebfläche eines der größten Weingüter des Rheingaus. Bis 1994 bewirtschaftete die Stadt das Gut selbst, seitdem ist es an den Winzer Armin Rupp in Hochheim verpachtet.


WeblinksBearbeiten



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Karmeliterkloster (Frankfurt) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki