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Das Hohenloher Freilandmuseum in Schwäbisch Hall-Wackershofen (Landkreis Schwäbisch Hall) ist eines von sieben regionalen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg. Es präsentiert hierher versetzte alte Gebäude aus dem Nordosten Baden-Württembergs, vornehmlich aus Hohenlohe, dem Taubergrund und dem Schwäbisch-Fränkischen Wald.

In mehr als sechzig versetzten Gebäuden aus der Region zwischen Neckar und Main, Alb und Frankenhöhe ist in Wackershofen die Geschichte der Landbevölkerung, ihrer Lebensweise, ihrer Nöte und Freuden, aber auch die ständige Veränderung vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert hinein auf eindringliche Weise dokumentiert.

Dabei sind die Gebäude wie in den meisten Freilichtmuseen die wesentlichen Exponate. Das Hohenloher Freilandmuseum hat sich in seiner mittlerweile 25-jährigen Geschichte ganz besonders mit dem Thema Translozierung befasst und war und ist bemüht, die Häuser und Gebäude nicht nur als Hüllen für Ausstellungen zu sehen, sondern sie selber als Originalstück mit einmaligen und unverwechselbaren Charakter zu behandeln.

Neben einer intensiven Haus- und Bauforschung, die in der hiesigen Region um Kocher und Jagst in der Vergangenheit so nicht bekannt war, ist das Hohenloher Freilandmuseum bestrebt, mittels innovativer Translozierungstechniken möglichst viel Originalsubstanz der Gebäude vom ursprünglichen Standort ins Museumsgelände zu verbringen. Schon Anfang der 1980er-Jahre erfolgten erste Versuche mit Versetzung ganzer Fachwerkwände von Scheunen und Fachwerkgiebeln. Ziel dabei war und ist, die Gebäudesubstanz wie ein klassisches Museumsexponat zu betrachten, die Gebrauchsspuren zu belassen, die baulichen Veränderungen damit zu dokumentieren und nicht einen realitätsfernen, phantasievollen „Ursprungszustand“ im Museum aufzubauen. Das führte mit einem engagierten Museumsteam dazu, schon 1988 erstmals einen ganzen Gebäudeteil, nämlich den Dachstuhl des Armenhauses aus Hößlinsülz, ins Freilandmuseum zu transportieren. Der eindrucksvolle Erfolg dieser Maßnahme mit den erhalten gebliebenen Innen- und Außenwänden einschließlich der Ausfachung zwischen den Balken, dem erhalten gebliebenen originalen Dielenboden und den historischen Dachlatten und vor allem auch der erhalten gebliebenen originalen Putz- und Malschichten waren so überzeugend, dass von diesem Zeitpunkt im Hohenloher Freilandmuseum nur noch diese Translozierungstechnik der Großteilversetzung angewandt wurde. Kurz darauf erfolgte der erfolgreiche Transport unzerlegter, massiv gemauerter Wände, so wie bei der Kapelle aus Stöcken, deren Außenwände mit allen Oberflächen und Spuren früherer Nutzung ins Museum wanderten. Selbst der Transport eines Gewölbes, unzerlegt und insgesamt knapp 100 Tonnen schwer, gelang und kündet heute im Freilandmuseum vom Geschick früherer Maurer. Ein Meisterstück war sicherlich die Translozierung des hundert Jahre alten Bahnhofsgebäudes aus Kupferzell mit Wartehalle und Lagerschuppen, das in vier großen Raumeinheiten (Erdgeschoss, Obergeschoss, Wartehalle und Lagerraum) auf Tiefladern Wackershofen erreichte. Erst hier vor Ort war es dann möglich, die originalen Wandfassungen zu untersuchen und daraus ein Wiederherstellungskonzept zu entwickeln. Bei der klassischen Methode der Zerlegung wären hier und bei den anderen Häusern viele kulturgeschichtliche Erkenntnisse unwiederbringlich zerstört worden.

Stehen auch die Gebäude als zentrale Exponate selber im Mittelpunkt, geht es dem Museum doch auch darum, biographisch mit Text und Ausstattungsstücken von den früheren Bewohnern zu erzählen und ihr Leben in einen allgemeinen geschichtlichen Hintergrund zu stellen. Eingerichtete Häuser sind dabei ein unverzichtbarer Bestandteil, aber auch Sonderausstellungen, Vorführungen, Aktionen und Informationen sollen den Besuchern ein lebendiges Bild der weiteren und näheren Vergangenheit vermitteln. Dazu gehören die Haltung alter Haustierrassen wie Schweine, Rinder, Ziegen und Schafe genauso sowie der Anbau historischer Getreidesorten. In vier Baugruppen werden auf dem großen Gelände so unterschiedliche Themen gezeigt wie Weinbau, Schweinezucht, Handwerk|Dorfhandwerker, Frauengeschichte, Landtechnik, Drittes Reich, Schulwesen, Fünfziger Jahre und vieles andere.

Ein kleines Häuschen aus dem späten 15. Jahrhundert erzählt z. B. von den bescheidenen Wohnverhältnissen vor 500 Jahren, ein prächtiges Fachwerkhaus von 1794 macht dagegen deutlich, wie auch in früheren Zeiten Wohlstand auf dem Lande zu erreichen war. Ein Handwerkerhaus des 19. Jahrhunderts dokumentiert auf nachdrückliche Weise die frühere enge Verflechtung zwischen Bauern und Handwerkern auf dem Lande. Vom villenähnlichen Großbauerngehöft zu Armen- und Taglöhnerhaus geht die soziale Bandbreite. Scheunen und Werkstätten ergänzen die Hofanlagen. Das prächtige historische Dorfgasthaus Roter Ochse, heute wieder im Freilandmuseum bewirtschaftet, lädt hungrige Gäste zu einem rustikalen Mahl ein. In vier Wohnhäusern erfährt der Besucher über Leben und Arbeit früherer Bewohnerinnen. In einem großen Gehöft wird dem historisch Interessierten die authentische Geschichte einer verfolgten jüdischen Familie berichtet, die auf einem Hohenloher Bauernhof 1944/45 bis zur Befreiung durch die Amerikaner Unterschlupf gefunden hatte. Ergänzt wird dieses breite Spektrum durch ein historisches Bahnhofsgebäude, an dem heute wieder Züge halten, Schafscheunen, die wie früher wieder als Schafställe dienen, ein großes Lagerhaus für das Aufbewahren der Getreideernte mit voll funktionsfähigem Innenleben, einem stattlichen Schulgebäude mit original eingerichteten Klassenraum oder einer am Wochenende betriebenen „Straußwirtschaft|Besenwirtschaft“ zum Weinausschank, ein ganz spezieller schwäbischer Bewirtungstyp.

Kompetente Führerinnen und Führer stehen für Gruppen zur Verfügung, durch sie wird die Vergangenheit erst so richtig lebendig. Ehrenamtliche betreuen als „Hausdienste“ die Gebäude und stehen den Besuchern für Fragen zur Verfügung. Ohne die Ehrenamtlichen könnten die vielen Aktionstagen und Vorführungen, Feste und Veranstaltungen nicht stattfinden.

Freilichtmuseen wie Wackershofen sind nicht in einer Stunde zu erfassen, hier sollen sich die Besucher Zeit mitnehmen, sich entspannen, sich in Ruhe in vergangene Zeiten zurückversetzen und daraus etwas für ihr heutiges Leben mitnehmen – und wenn es nur etwas mehr Gelassenheit ist. Wackershofen bietet dafür mit seinem abwechslungsreichen Gelände, seinen originalen Häusern, seinen Landschaftsausblicken und seinen in die Umgebung eingebetteten Gebäuden beste Voraussetzungen.

Das Freilandmuseum diente als Drehort für Filme wie „Das unzähmbare Herz“ (ARD 2004), „Schiller“ (ARD 2005) und „Margarete Steiff“ (ARD 2005).

Öffnungszeiten Bearbeiten

Mitte März bis 30. April – Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr
01. Oktober bis Anfang November – Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr
01 Mai bis 30. September – Dienstag bis Sonntag von 09 bis 18 Uhr
von Juni bis August auch montags geöffnet

Veranstaltungen Bearbeiten

  • Backofenfest: das große Jahresfest im Hohenloher Freilandmuseum mit Markt, frischem "Blooz" aus den Backöfen, Tanzgruppen, Viehprämierung, Gaukler und Musik; jedes Jahr am letzten Wochenende im September.
  • Süddeutscher Käsemarkt: findet jedes Jahr Mitte Mai im Museumsdorf statt. Aus ganz Deutschland, aber auch aus den benachbarten Ländern wie Schweiz, Holland oder Italien kommen traditionelle Käsereien, die als Erzeuger ihre eigenen Käsesorten anbieten und verkaufen. Dazu gesellen sich anspruchsvolle Lebensmittel wie spezielle Pflanzenöle, Schnäpse, Kaffee, Kuchen, "essbare Landschaft" etc.
  • Theaterscheune: eine Scheune auf dem Museumsgelände wird zum Veranstaltungsort für die Freilichtspiele Schwäbisch Hall; Kleinkunst und Theaterstücke mit wenigen Darstellern. Leider wird die Theaterscheune seit einigen Jahren aus finanziellen Gründen nicht mehr bespielt.

Weblinks Bearbeiten



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hohenloher Freilandmuseum Schwäbisch Hall-Wackershofen aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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