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Das Germanische Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg (Kartäusergasse 1) ist das größte kulturhistorische Museum Deutschlands und beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen zur deutschen Kultur und Kunst von der Vor- und Frühgeschichte bis zur unmittelbaren Gegenwart. Der Name germanisches Nationalmuseum deutet an, dass das Sammlungsgebiet nicht nur Deutschland, sondern alle Gebiete deutscher Sprache umfasst.

Aufbau des Museums Bearbeiten

Angeschlossen sind ein Archiv, eine Bibliothek, eine Restaurierungsabteilung (Institut für Kunsttechnik und Konservierung) und ein Pädagogisches Zentrum. Als Zweigstellen betreut das Museum unter anderem die Spielzeugsammlung in der ehemaligen Kinderbewahranstalt der Kirchengemeinde von St. Lorenz (Kartäusergasse 20), das Kaiserburg-Museum auf der Nürnberger Burg und das nördlich gelegene Schloss Neunhof, einen hervorragend erhaltenen Herrensitz, in dem die Jagdsammlung untergebracht ist. Das Museum ist heute eine Stiftung des öffentlichen Rechts; 1921 in der Neufassung der Satzung erstmals als "öffentlich-rechtliche Stiftung" genannt. Seit dem 2. Juli 1954 unterstützten Unternehmen und Einzelpersonen als "Fördererkreis" die Arbeit des Museums; dieser Kreis ist seit 1984 ein eingetragener Verein mit dem Namen Fördererkreis des Germanischen Nationalmuseums e. V. und besteht aus ca. 300 Mitgliedern. Das Museum zählte im Jahr 2004 372.459 Besucher (2003: 351.280).

Als Forschungseinrichtung hat das GNM auch den Auftrag, die Sammlungsgegenstände und deren geschichtliches Umfeld zu erforschen und in Publikationen und Ausstellungen zu zeigen. Das Museum unterhält den Verlag des Germanischen Nationalmuseums.

Der Sammlungsbestand Bearbeiten

In der Sammlung werden Kunstwerke höchsten Ranges aufbewahrt und in den Räumen großzügig präsentiert; Beispiele sind: der Codex Aureus aus Echternach, mittelalterliche Goldschmiedearbeiten, Gemälde von Albrecht Dürer, Skulpturen von Ferdinand Dietz sowie Volkskunst und Kunstgewerbe, wissenschaftliche Instrumente (Fernrohre, Zeitmesser und Globen), Musikinstrumente, Möbel (zum Beispiel auch Teile des Arbeitszimmers von Jacob und Wilhelm Grimm), Nürnberger Puppenhäuser, Spielzeug, eine Abgusssammlung, Architekturteile und vieles mehr. Teile des Praunschen Kabinetts werden ausgestellt und mit dem Bayerischen Gewerbemuseum ist sogar der Bestand eines kompletten Museums in die Sammlung integriert.

Insgesamt beherbergt das Museum über 1,2 Millionen Einzelstücke (Stand 2003). Zahlreiche Stücke sind dem Museum leihweise zu Ausstellungszwecken überlassen worden; wichtige Leihgeber sind zum Beispiel die Stadt Nürnberg und die Bundesrepublik Deutschland. Teile der 17 Fachabteilungen (Stand 2006) sind in thematisch erarbeiteten Schausammlungen für das Publikum zugänglich. Seit 2002 wurden die folgenden Zusammenstellungen neu eröffnet:

  • Bürgerliche Kunst und Kultur im 19. Jahrhundert. Vom Vorabend der Französischen Revolution bis zur Epoche der Weltausstellungen.
  • Spielwelten. Kinderspielzeug und Erwachsenenspiele von 1550 bis 1950 (im Nebengebäude der ehemaligen Kinderbewahranstalt).
  • Kleiderwechsel. Frauen-, Männer- und Kinderkleidung des 18. bis 20. Jahrhunderts.

Im Gange sind momentan (2006) folgende Neueinrichtungen:

  • Neueinrichtung der Vor- und Frühgeschichtlichen Sammlung: seit 2002 sind vorübergehend bis voraussichtlich 2006 nur ausgewählte Stücke zu besichtigen.
  • Von Schätzen, Heiligen und Fabeltieren. Neueinrichtung der Sammlungen zum Mittelalter bis ca. 1430 (März 2006 abgeschlossen).
  • Von der Dürerzeit bis zum Vorabend der Französischen Revolution. *Neukonzeption der Schausammlung für die Kunst- und Kulturgeschichte 1500 bis 1800. Während der Baumaßnahmen, die 2008 beendet sein sollen, werden die Hauptwerke dieses Bestandes in der großen Ausstellungshalle als Sonderausstellung präsentiert; das bedeutet, daß ca. 200 Stücke des Museums derzeit nur für einen Aufpreis zum eigentlichen Eintrittsgeld gesehen werden können.

Gemälde bis 1800 Bearbeiten

Idealbild Karl des Großen mit den Reichskleinodien, gemalt 1513 von Albrecht Dürer im Auftrag seiner Vaterstadt Nürnberg vergrößern Idealbild Karl des Großen mit den Reichskleinodien, gemalt 1513 von Albrecht Dürer im Auftrag seiner Vaterstadt Nürnberg Ende der 1870er Jahre gelang es, die Sammlung der Gemälde zu einer bedeutsamen Abteilung des Museums werden zu lassen. Einen Schwerpunkt bilden heute die spätmittelalterlichen Werke der Stadt Nürnberg, aber auch Hans Holbein der Ältere, Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach der Ältere und viele andere Künstler des 15./16. Jh. sind vertreten. Die Glasmalerei wird ab März 2006 in die Mittelalter-Schausammlung integriert sein (bislang konnte man diese Werke in einem eigenen Raum studieren); die Werke dieser Gattung beginnen in der romanischen Zeit (12. Jh.).

Skulpturen bis 1800 Bearbeiten

Auch für die Skulpturensammlung schuf Aufseß den Grundstock; Gipsabgüsse integrierte er gleichrangig in die Sammlung. Zahlenmäßig überwogen die Abgüsse die Originale schnell bei weitem. 1875 und auch noch später erhielt das Museum hervorragende Stücke als Dauerleihgabe aus den historischen Sammlungen der Stadt Nürnberg (z.B. bedeutende Arbeiten von Adam Kraft). Vom Ausbau der Abgußsammlung nahm man erst unter Bezold (1894-1920) Abschied; zudem entwickelte er ein Konzept, dass zwischen "hoher" und "angewandter" Kunst unterschied - dieses Konzept blieb jedoch nicht unwidersprochen. Nach dem Ersten Weltkrieg konnten der Sammlung systematisch Werke des Barock und des Rokoko hinzugefügt werden.

Das Münzkabinett Bearbeiten

Mit der Museumsgründung 1852 wurde auch eine Münz- und Medaillensammlung begonnen; in der Frühzeit wurden, wie auch bei anderen Abteilungen, Abgüsse anstelle der Originale in die Sammlung aufgenommen. Zahlreiche Stücke aus mittelalterlichen Fundkomplexen konnten erworben werden.

Als Leihgabe gehörte auch die Münzsammlung der Stadt Nürnberg (ca. 7000 Stück) zum derzeitigen Bestand.

Vor- und Frühgeschichte Bearbeiten

Die bekanntesten Stücke dieser Abteilung sind der Goldkegel und die gotische Adlerfibel (um 500 n. Chr.). (Hinweis: Diese Abteilung ist noch bis Herbst 2006 wegen Umbaus geschlossen. Während dieser Zeit können ausgewählte Stücke in der Ehrenhalle besichtigt werden.) Kunsthandwerk

Kunsthandwerk des MittelaltersBearbeiten

Erstunter Essenwein (1866ff.) konnte das Sammlungsgebiet der mittelalterlichen Schatzkunst, die auf den kirchlichen Kultus bezogenen Gerätschaften, eine gewisse Bedeutung erlangen; allerdings bestand der Zuwachs zunächst hauptsächlich in Gipsabgüssen. Erst der Ankauf der Sammlung des Bremer Arztes Dr. Hermann Freiherr von Eelking (1818-1884) konnte 1880 den Wert dieser Abteilung deutlich steigern. Danach kamen nur noch Einzelstücke hinzu: zum Teil höchst bedeutende Objekte wie 1894 eines der seltenen karolingischen Vortragekreuze (das sogenannte Ardennenkreuz, wohl um 830), 1955 ein Echternacher Prachtevangeliar (der Codex Aureus, aus ottonischer Zeit) und eine hochromanische Armilla. Zu dieser Abteilung gehört auch der Heiltumsschrein, der ehemals die Reichskleinodien barg.

Kunsthandwerk der NeuzeitBearbeiten

Die Stücke des neuzeitlichen Kunsthandwerks (16. bis 18. Jahrhundert) gehören vornehmlich dem profanen Bereich an; viele Gegenstände sind bereits seit dem 19. Jahrhundert Bestandteil des Museums: italienische Majoliken der Renaissance beziehungsweise Fayence und Porzellan. Das Schlüsselfelder Schiff, eine große Goldschmiedearbeit, von 1503 kam 1875 zur Sammlung.

SpielzeugBearbeiten

Die Spielzeugsammlung ist seit 2002 in dem separaten Haus Kartäusergasse 20 aufgestellt. Zuvor war diese Abteilung seit 1968 in drei Räumen über dem Refektorium am Kleinen Kreuzgang untergegracht gewesen. Neben Kinderspielzeug sind auch historische Spiele für Erwachsene Gegenstand dieser Sammlung. Die vier großen Nürnberger Puppenhäuser aus dem 17. Jahrhundert bilden das Zentrum dieser Abteilung.

Historische MusikinstrumenteBearbeiten

Das Museum verfügt über einen bedeutenden Bestand an historischen Musikinstrumenten (ca. 2.500 Stücke). Folgende Einzelsammlungen wurden in die Museumssammlung integriert:

  • Sammlung historischer Musikinstrumente Dr. Dr. h.c. Ulrich Rück (1962 aufgenommen)
  • Klavierhistorische Sammlung Neupert (1968),
  • Sammlung Karl Schreinzer (MI 403) (1967),
  • Sammlung Will Jansen (Kürzel MIJ) (1971 angekauft).

Besonders reizvoll sind die Darstellungen musikalischer Gesellschaftsereignisse, die sich auf und in den Deckeln einiger älterer Tasteninstrumente befinden.

Wissenschaftliche InstrumenteBearbeiten

Aus unterschiedlichen Quellen zusammengekommen, unter anderem gehört zu dieser Sammlung der Nachlaß des Mathematikers und Astrononen Regiomontanus (Leihgabe der Stadt?), findet man hier Fernrohre, Zeitmesser, Weltmaschinen sowie Erd- und Himmelsgloben - darunter auch der älteste heute noch erhaltene Erdglobus von Martin Behaim aus dem Jahr 1492 (Martin Behaims Erdapfel).

VolkskundeBearbeiten

Diese Abteilung umfasst unter anderem Trachten und Möbel zur ländlichen Wohnkultur sowie Alltagsgegenstände des 19. und 20. Jahrhunderts (zum Beispiel industriell hergestellter Wandschmuck).

Historische Bauteile (Architektur)Bearbeiten

Zu diesem Gebiet gehören so unterschiedliche Dinge wie bauplastische Fragmente (Kapitelle, Konsolen, Gewände), Brunnen, Treppen, Öfen oder Tapeten, aber auch nur einfache Backsteine. Andererseits müssen auch Großobjekte wie Kapellen in Teilen oder Stuben und Zimmer genannt werden. Auch Pläne zur Architektur sind hier anzuschließen.

Hervorzuheben sind das Chörlein des Sebalder Pfarrhofs in Nürnberg, um 1370, seit 1902 im Museum und am originalen Standort durch eine Kopie ersetzt, und der Schöne Brunnen, 1385-1392, ebenso am originalen Standort 1902 beziehungsweise nach 1945 durch eine rekonstruierende Kopie ersetzt.

Das ArchivBearbeiten

Das Archiv ist in mehrere Abteilungen untergliedert.

Das Historische ArchivBearbeiten

Von Aufseß war dem Archiv die erste Stelle im Abteilungsgefüge des Museums zugedacht, es sollte die Aufgabe eines deutschen Zentralarchivs übernehmen, indem es weniger die Originalurkunden, sondern Kopien und Faksimiles (bis 1650) verwahren sollte. Dies Projekt überforderte zur damaligen Zeit jedoch die Beteiligten; nur die Siegelabgußsammlung machte schnell gute Fortschritte. Bald wandte man sich der Sicherung originaler Quellen zu; dabei wollte man bewusst nicht in Konkurrenz zu den staatlichen Archiven treten, sondern man verstand sich in erster Linie als Auffangbecken für Adels- und Privatarchive, um so zu verhindern, dass Pergament- und Papierdokumente einer Zweitverwertung (Blattgoldmacher, Papierhersteller) zugeführt würden.

Der Bestand reicht heute unter anderem von hochmittelalterlichen Kaiser- und Papsturkunden über Adelsarchive wie das der Grafen von Wolckenstein-Rodenegg (13.-18. Jahrhundert) bis zu Stadt- und Rechnungsbüchern, aber auch Gerichtsakten.

Übernommene Archivalienbestände wurden nie aufgelöst (nur Pergamenturkunden wurden aus dem jeweiligen Komplex herausgenommen); allerdings wurden vornehmlich in den 1970er Jahren "Flurbereinigungen" mit dem Ziel vorgenommen, versprengte Einzelstücke und Reste zuständigen Archiven zuzuführen.

Archiv für Bildende KunstBearbeiten

Das Archiv für Bildende Kunst wurde 1964 gegründet und beherbergt mehr als 1.200 Nachlässe (Stand 1997) von Künstlern, Kunstwissenschaftlern und -kritikern, aber auch von -mäzenen und -institutionen wie Kunstvereinen und schriftliche Quellen aus dem Bereich der bildenden Kunst überhaupt. Zu nennen sind unter anderem die folgenden Nachlässe: Wilhelm Worringer, Franz Marc, August Macke, Erich Heckel, Richard Riemerschmid oder Otto Dix.

Seit 1976 stellt das Archiv bedeutende Nachlässe aus, die es erworben konnte; dabei wird stets eine Werkauswahl gezeigt und es erscheint eine erläuternde Publikation. Neuzugänge werden im Anzeiger mitgeteilt.

Seit 1966 ist auch das Deutsche Glockenarchiv ein Teil des Archivs für bildende Kunst; vergleiche Claus Pese: Mehr als nur Kunst. Das Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum, Ostfildern-Ruit 1998, S.136-145.

Die BibliothekBearbeiten

Die Bibliothek ist ihrer Bestimmung nach zugleich eine Sammlung wie auch eine öffentlich zugängliche Handbibliothek, die nunmehr in die Systematik intergrierte Bibliothek des Gründers (Aufseß-Bibliothek) bildete dazu den Grundstock.

Im 19. Jahrhundert baute sich der Bestand hauptsächlich durch Freiexamplare der Verlage auf. Im 20. Jahrhundert ließ die Spendenfreudigkeit mehr und mehr nach. 1978 umfasste der Bestand ca. 400.000 Bände.

WeblinksBearbeiten

http://www.gnm.de/



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Germanisches Nationalmuseum aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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