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Der Alte Elbtunnel ist 426,5 m lang und verbindet die Innenstadt bei den Sankt Pauli Landungsbrücken mit Steinwerder. Er ist der erste Flusstunnel auf dem Europa|europäischen Festland und galt bei seiner Eröffnung am 7. September 1911 als technische Sensation. Er steht seit 2003 unter Denkmalschutz.

Planung Bearbeiten

Um die zunehmenden Verkehrsströme auf der Elbe in den Griff zu bekommen, wurde über eine dauerhafte technische Lösung zur Elbquerung nachgedacht. Man erhoffte sich davon weniger Behinderung der Schifffahrt durch kreuzende Hafenfähren und eine verbesserte Zugänglichkeit der Werften und des Hafens auf der anderen Seite der Elbe bei Nebel und Eis.

Als technische Lösungen waren zunächst auch eine bewegliche Brücke oder eine Schwebefähre in der Diskussion. Beide Lösungen hätten aber nach wie vor den Schiffsverkehr behindert und wurden daher wieder verworfen. Eine ebenfalls untersuchte Lösung mittels Hochbrücke hätte 55 m lichte Höhe haben müssen und wäre dadurch sehr teuer geworden. Es gab zu dieser Zeit aber bereits englische und amerikanische Vorbilder, welche die grundsätzliche technische Machbarkeit einer Flussunterquerung demonstrierten, so dass auch ein Tunnel zur Diskussion stand. Schließlich wurde 1901 eine Entscheidung getroffen und Baurat Ludwig Wendemuth konzipierte den dann realisierten alten Elbtunnel nach dem Vorbild des Clyde-Tunnels in Glasgow.

Bau Bearbeiten

Bei seinem unter der Bauleitung von Stockhausen 1907 begonnenen Bau wurde Druckluft eingesetzt, um mittels des so erzeugten Überdrucks das Eindringen von Wasser zu verhindern. Die am Anfang und Ende gelegenen vertikalen Ausschachtungen erfolgten mit Hilfe eines eisernen Senkkastens. Die beiden horizontalen Tunnelröhren wurde im Schildvortriebsverfahren gebaut und führen mit einer Sohlentiefe von 24 m von den St. Pauli-Landungsbrücken nach Steinwerder am südlichen Ufer der Norderelbe. Die Oberkante der 6 m großen Röhren – für eine Kutsche mit aufgestellter Peitsche – liegt 12 m unterhalb des mittleren Hochwassers. Zwischen Tunnelröhre und Flussbett lag eine 3 m dicke Schlickschicht, die um 1980 durch die Elbvertiefung bis auf 1 m weggebaggert wurde. Als Schutz gegen Aufschwimmen und Beschädigungen wurde eine Betondecke auf den Tunnel gelegt.

Reaktionen Bearbeiten

  • mit lauter Sprache reden, wie die moderne Technik zu Lande, zu Wasser und unter dem Wasser die an sie herantretenden Aufgaben überwindet (Hamburger Fremdenblatt 21. Mai 1911)
  • Seine einem Mausoleum nicht unähnliche Gestalt ist wohl geeignet, beim Beschauer, der den Zweck nicht ahnt, ein Grübeln über dessen Bestimmung zu wecken (Deutsche Bauhütte 1911)
  • als einen von den licht- und formenfrohen Mächten des modernen Zeitgeschmacks durchfluteten Zeitgedanken, der zwar völlig im Zwecke aufgeht, bei dessen Verwirklichung aber nichts unterlassen worden ist, was beiträgt, diesem Zwecke die Schönheit zu verbinden (Hamburger Nachrichten 13. Juli 1911).

Umbauten Bearbeiten

Der Tunnel war für Fußgänger zunächst über feste Treppen zugänglich, die am Rande des Schachtgebäudes in die Tiefe führten. Im Rahmen einer Modernisierung wurde zusätzlich zu diesen Treppen Rolltreppen nachgerüstet. Nachdem die Rolltreppen verschlissen waren, wurden diese wieder ausgebaut und statt dessen auf jeder Seite ein Aufzugsanlage|Personenfahrstuhl eingebaut.

Besonderheiten Bearbeiten

Bild:Alter Elbtunnel - Majolikarelief Stiefel.jpg|thumb|right|Majolikarelief mit Stiefel und Ratten Erwähnenswert ist, dass der Tunnel über keine Rampe|Zufahrtsrampen verfügt. Die Fahrzeuge werden statt dessen am Anfang und Ende des Tunnels mit Autoaufzügen 24 m in die Tiefe befördert. Für den Antrieb der Fahrkörbe ist auf jeder Seite jeweils ein Eingangsgebäude errichtet worden. Auf der nördlichen Elbseite ist hierfür Basaltlava und Tuffstein verwendet worden. Dieses markante Gebäude ist weithin sichtbar mit einer mittlerweile patinaüberzogenen Kuppel überspannt worden. Es wurde von den Architekten Raabe & Wöhlecke entworfen.

An den gefliesten Wänden der Tunnelröhren sind in regelmäßigen Abstand kleine Majolikareliefs eingefügt. Auf ihnen wird thematisch die darüberliegende Elbe dargestellt. Hierzu gehören Abbildungen von Fischen, Krebsen, Muscheln, aber auch von weggeworfenen Gegenständen und Ratten.

Nutzungszahlen Bearbeiten

Seit der Eröffnung des Tunnels unterquerten pro Jahr zwanzig Millionen Menschen die Elbe. Die meisten nutzten den Tunnel, um die Arbeitsplätze im Hafen und auf den Werften zu erreichen. Mit der Automatisierung des Stückgutumschlags durch Container und dem Werftensterben in den siebziger und achtziger Jahren verliert der Tunnel zunehmend an Bedeutung. Derzeit nutzen weniger als 500.000 Fußgänger jährlich den Tunnel.

Benutzungsentgelte Bearbeiten

Noch heute ist der Alte Elbtunnel für Fußgänger kostenfrei und zeitlich unbeschränkt begehbar, die Benutzung mit Motorfahrzeugen (motorisierte Zweiräder, PKW, Klein-LKW) ist kostenpflichtig und auf festgelegte Öffnungszeiten (derzeit Mo-Fr 05:30 - 20:00 an Werktagen) beschränkt.

Über die kostenfreie Benutzung für Fußgänger gab es 1906 eine hitzige Debatte in der Bürgerschaft. Von den Sozialdemokraten wurde dialektisch pointiert argumentiert: Weil die Bourgeoisie für die Instandhaltung der Reitwege in Uhlenhost auch keine Abgaben bezahlt, muss die Tunnelbenutzung für Arbeiter frei sein. Auf Steinwerder lagen damals mehrere große Werften (Howaldt, Stülcken, Blohm & Voss) und der Elbtunnel bildete neben den Hafenfähren die einzige Möglichkeit den Arbeitsplatz zu erreichen.



Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Alter Elbtunnel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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