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Der älteste Teil und Kern des Aachener Doms, der ein architektonisches Konglomerat aus den verschiedensten Perioden christlicher Baukunst bildet, ist die Pfalzkapelle Karls des Großen. Sie ist ein Bau von 31 m Höhe und etwa 32 m im Durchmesser. Vorbild für diese Kirche waren oströmische Kaiserkirchen in Byzanz und im Mittelmeerraum. Vor allem die Kirche San Vitale in Ravenna aus dem 6. Jahrhundert hat Karl beeindruckt. Jedoch entstand in Aachen kein direkter Nachbau, sondern ein eigenständiges Gebäude.

Der BauBearbeiten

Das innere Oktogon wird durch starke Pfeiler gebildet, auf welchem ein achteckiges, den Mittelraum überdeckendes Klostergewölbe liegt. Um dieses innere Oktogon herum läuft ein 16-seitiger, mit niedrigen Kreuzgratgewölben versehener Umgang, über dem sich, die Empore bildend, eine hohe Galerie befindet. Diese wiederum wird von schräg liegenden Tonnengewölben überdeckt und ist nach innen mit karolingischen, bronzenen Gittern geschlossen. Über den Galeriebogen erhebt sich ein achteckiger Tambour mit Fensteröffnungen, auf welchem das Kuppelgewölbe ruht. Die Säulen, welche die Zwischenräume der Galerieöffnungen schmücken, sind meist antik und stammen aus Italien. Karl der Große ließ sie Ende des 8. Jahrhunderts aus Rom und Ravenna, möglicherweise aber auch aus antiken Bauten Kölns (St. Gereon oder Praetoriumspalast) auf Ochsenkarren nach Aachen schaffen. Heute sind nur noch wenige antike Säulen vorhanden, da die Säulen während der französischen Besetzung des Rheinlands ausgebrochen und nach Paris geschafft wurden. Bis auf einige derzeit im Louvre verbaute Säulen kamen sie 1815 zurück nach Aachen, wurden aber erst in den 1840er Jahren wieder eingebaut. Dabei wurden zahlreiche Säulen unter anderem aus Assuan-Granit neu hergestellt.

Dieses karolingische Oktogon wurde in den neunziger Jahren des 8. Jahrhunderts nach byzantinischen Mustern begonnen. Baumeister war der Franke Odo von Metz, aber auch zahlreiche römische und byzantinische Handwerker wirkten an dem Bau mit. Die Pfalzkapelle Kaiser Karls des Großen war über 200 Jahre lang nördlich der Alpen in seiner Höhe unübertroffen.

Besonders wirkungsvoll ist die Harmonie des Gebäudes. Sie ist begründet in einem auf biblischen Maßzahlen (50, 100 und 12×12=144) unter Verwendung antiker Architekturtheorie (Vitruv) beruhenden Maßsystem, durch das dieses Kirchengebäude in besonderer Weise zu einem Bild des Zeltes Gottes unter den Menschen und in seiner Gleichheit von Höhe, Länge und Breite vor allem des himmlischen Jerusalem wird.

Im Oktogon befindet sich der Radleuchter (Kronleuchter), der so genannte Barbarossaleuchter (1165 / 1170), eine Stiftung Kaiser Friedrichs I und seiner Frau Beatrix. Die 48 Kerzen des Leuchters werden an kirchlichen Hochfesten angezündet.

Der gotische Chor, anschließend an das Ostjoch des karolingischen Umgangs, wurde zwischen 1355 und 1414 als gläserner Reliquienschrein für die Aachener Heiligtümer und die Gebeine Karls des Großen gebaut. Der gotische Chor (25 m Länge, 13 m Breite, 32 m Höhe) ist mit seinen mehr als 1.000 Quadratmetern Glasfläche ein wahres „Glashaus“.

Westlich vor dem Oktogon steht ein Glockenturm, durch eine Steinbrücke mit jenem verbunden und flankiert von zwei runden (karolingischen) Treppentürmen. Karl der Große und Otto III. sind im Aachener Dom beigesetzt. Die Gebeine Karls des Großen werden im Karlsschrein aufgebahrt sein. Diese bedeutende Goldschmiedearbeit des Mittelalters befindet sich heute in der gotischen Chorhalle.

Seit 1238 findet die Aachener Heiligtumsfahrt statt, eine Wallfahrt, bei der die Reliquien des Doms von den Gläubigen besichtigt werden können. Diese Reliquien befinden sich im Marienschrein (1220 – 1239), der sich im vorderen Teil der Chorhalle befindet. Bei den Reliquien soll es sich angeblich um die Windel(n) und das Lendentuch Christi, das Marienkleid und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers handeln. Seit 1349 findet diese Wallfahrt in einem Turnus von sieben Jahren statt; die letzte Aachener Heiligtumsfahrt war im Jahr 2000 und stand unter dem Motto „Jesus Christus, gestern, heute, in Ewigkeit“.

Wie die gesamte Innenstadt von Aachen war auch der Dom in den Jahren des Zweiten Weltkriegs Angriffen der englischen Luftwaffe ausgesetzt. Durch die Gründung der Domwache konnte das Gebäude jedoch gerettet werden. Schwere Beschädigungen am gotischen Langhaus und die Zerstörung der Glasfenster konnte jedoch nicht vermieden werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Fenster u.a. durch den Glaskünstler Anton Wendling neu gestaltet. Die abstrakten Seitenfenster stellen in ihrer Ornamentik einen Lichtvorhang dar, der zeigt, wie das Licht vom Himmel – als symbolischer Sitz Gottes – zur Erde kommt.

Der Aachener Dom wurde 1978 mit seinem Kunstschatz als erstes deutsches Denkmal in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Aber schon im Mittelalter wurde er bewundert und nachgeahmt, so etwa im Essener Dom oder in der elsässischen Abteikirche Ottmarsheim.

WeblinksBearbeiten

http://www.aachendom.de

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